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Dialektik Titel

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Thesen zur
Wahrheit, Ideologie, Irrationalität
und zur
Verantwortung der Intellektuellen
Gegen die docta ingnorantia
(1)

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Inhalt

Einleitung

Der Begriff der Wahrheit

Die Logik als formales Wahrheitskriterium:
Der Satz vom zu vermeidenden Widerspruch

Konsequenzen aus dem Satz vom zu vermeidenden Widerspruch
a) Gegenstandsbezogene Konsequenzen:
die Sachhaltigkeit der Aussage

b) Formallogische Konsequenzen: die Einheit des Bewusstseins

c) Philosophische Konsequenzen: Dialektik

Das Praxiskriterium der Wahrheit

Kritik des Skeptizismus

Vernunft und Herrschaft

Irrationalismus

Ideologie

Die Verantwortung des Intellektuellen

Das Ethos des Philosophen und Wissenschaftlers

Anmerkungen und Literaturhinweise

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Einleitung

Kommunizierten vor 50 Jahren die Philosophen verschiedener Richtung nicht mehr miteinander (2), so hat sich dies heute geändert: Aber so, dass die Philosophie nur noch als Steinbruch existiert. Gibt es keine Wahrheit mehr, dann braucht man sich auch nicht mehr streiten. Spielverderber ist der, welcher auf diesen Blödsinn hinweist – er gilt als Dogmatiker, Objektivist, Betonkopf, Scharfrichter usw.

Alle reden über alles, selbst die begrenzte Stringenz einer philosophischen Richtung ist verschwunden, das ubiquitäre Geraune, das jonglieren mit Begriffen hat heutige Philosophie der Tendenz nach zerstört oder sie bestenfalls auf das Nacherzählen heruntergebracht (vgl. Denkfehler). Gemeinsam ist den meisten Philosophen, dass sie nicht nur keine Wahrheit mehr haben, sondern den Begriff der Wahrheit selbst eliminieren.

Der Begriff der Wahrheit

Auf Vorhaltungen des Autors, sich an Wahrheit zu orientieren, ohne eine konkrete Wahrheit genannt zu haben, kam als Entgegnung diese böswillige Unterstellung:

 „Sie und Ihre Kollegen kennen die Wahrheit und veröffentlichen nur Artikel, die entweder dieser Wahrheit entsprechen oder eine einfache Ideologie vertreten, die sie dann 'exemplarisch’ kritisieren.“ (Hervorhebungen von uns)

Wir haben nicht „die Wahrheit“, was immer das sein soll. Der Ausdruck steht heute für die Verleugnung von Wahrheiten überhaupt.

Selbst der Schriftsteller Günter Wallraff wirft in seiner berechtigten Religionskritik den Begriff der Wahrheit über Bord - das entscheidende Argument gegen den Irrationalismus:

"Menschen, die sich im Besitz der einen reinen Wahrheit wähnen, die grenzen andere aus." (nach "Erinnyen Aktuell", ddp vom 8.3.08)

"Rein" ist eine Wahrheit nur als logische Form, d.h. allein im Bewusstsein; und die eine Wahrheit ist das selbstverständlichste im Denken überhaupt, denn gäbe zwei oder mehr Wahrheiten über einen Gegenstand, dann wäre wir schizophren oder lebten in Orwells "1984", wo Frieden Krieg und Liebe Verbrechen heißt.

Wahrheit ist in der philosophischen Tradition die Übereinstimmung von Begriff und Sache, oder genauer, einer Theorie mit ihrem Gegenstandsbereich, den sie prinzipiell erklären kann. Eine Leugnung von Wahrheiten ist widersprüchlich und deshalb falsch:

            - Entweder es gibt Wahrheit oder es gibt keine Wahrheit (tertium non datur).
            - Nun wird der Satz: „Es gibt keine Wahrheit“ als wahr behauptet, was diesem Satz widerspricht.
- Also muss es Wahrheit geben.

Dieser apagogische Beweis der Annahme, dass es Wahrheit geben müsse, ist noch keine konkrete Wahrheit, sondern nur die Begründung, dass man nicht ohne den Begriff der Wahrheit auskommen kann. Zur Erkenntnis von konkreten Wahrheiten müsste man die einzelnen Wissenschaften heranziehen. Die Philosophie als Totalitätswissenschaft kann immer nur über das Allgemeine reden (wie z. B. über den logischen Begriff ‚Wahrheit’). Aber Wahrheiten generell zu leugnen grenzt an Wahnsinn. Wer zwischen einem Stein und einem Brötchen nicht unterscheiden kann, wird verhungern. Wenn die Newtonsche Mechanik zweifelhaft wäre, dürfte kein Auto fahren und kein Flugzeug fliegen. Wenn die Atomphysik nicht etwas an der ontologischen Wirklichkeit (extramentale Sein) träfe, könnte man keine Atombomben und keine Kernkraftwerke bauen, die funktionieren. Wenn menschliche Beziehungen nicht nach wahren ethischen Prinzipien geregelt werden, die jeder Kraft seines Denkvermögens (Verstand, Vernunft und Urteilskraft) einsehen kann, dann werden sie durch Gewalt geregelt.

Gewiss muss die Philosophie auch absurde Annahmen durchdenken – etwa Descartes methodischen Zweifel daran, dass die Welt überhaupt existiert, dass vielleicht alles nur ein Traum ist, was wir erleben usw. Heute jedoch werden die verrückten Dinge behauptet, um wahres Bewusstsein zu zerstören, nicht um festere Grundlagen für das Wissen zu schaffen. Aus dem methodischen Zweifel des Descartes ist der skeptische Zweifel geworden, der generell Wahrheit verleugnet.

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Die Logik als formales Wahrheitskriterium:
Der Satz vom zu vermeidenden Widerspruch

„Seiendes ist und Nicht-Seiendes ist nicht“, sagt Parmenides (3). Würde man sagen: „Nicht-Seiendes ist“ („ist“ im Sinne eines Existenzurteils), dann würde man unverständlich reden. So ist die Aussage: „Eine Schimäre (Fabelwesen) ist in meinem Arbeitszimmer“, unverständlich, da keine Fabelwesen existieren. Mit der obigen Aussage fordert Parmenides zum ersten Mal direkt  in der Philosophiegeschichte die Widerspruchsfreiheit von wissenschaftlichen Aussagen ein, ein logisches Kriterium wahrer Aussagen, das allerdings schon in dem literarischen Mythos bei Hesiod wirkte und selbstverständlich der ionische Naturphilosophie zu Grunde lag. Aber erst Aristoteles hat dann dieses Prinzip als rein logisches formuliert.

„Daß nämlich dasselbe demselben in derselben Beziehung (und dazu mögen noch die anderen näheren Bestimmungen hinzugefügt sein, mit denen wir logischen Einwürfen ausweichen) unmöglich zugleich zukommen und nicht zukommen kann, das ist das sicherste unter allen Prinzipien“. (4) 

In urteilslogischer Form kann man diesen Satz vom zu vermeidenden Widerspruch auch so formulieren:

„Einem Subjekt darf nicht zugleich und in derselben Rücksicht ein Prädikat zukommen und nicht zukommen.“ (A ist nicht zugleich B und Nicht-B.)

Sage ich, „mein Schachfreund ist zugleich in meinem Wohnzimmer und nicht in meinem Wohnzimmer“, dann bin ich objektiv unverständlich.

„Eine Frau kann nicht zugleich und in derselben Rücksicht rote und grüne Haare haben.“ Sie kann heute rote und morgen grüne Haare haben, aber nicht zur gleichen Zeit in derselben Rücksicht. Sie kann auf der linken Seite rote und auf der rechten Seite grüne Haare haben, aber nicht in Rücksicht auf den gleichen Ort das eine und sein Gegenteil haben. Wer anderes behauptet, redet Unsinn und ist objektiv unverständlich.

Der Satz vom zu vermeidenden Widerspruch bedarf keines Beweises. Er ist Voraussetzung jeder Argumentation. Wird er nicht beachtet, dann ist überhaupt keine Verständigung möglich. „Manche verlangen aus Mangel an Bildung, man solle auch dies beweisen; denn Mangel an Bildung ist es, wenn man nicht weiß, wofür ein Beweis zu suchen ist und wofür nicht. Denn daß es überhaupt für alles einen Beweis gebe, ist unmöglich, sonst würde je ein Fortschritt ins Unendliche eintreten und auch so kein Beweis stattfinden. Wenn aber für manches kein Beweis gesucht werden darf, so möchten sie wohl nicht angeben können, was sie denn mit mehr Recht für ein solches Prinzip halten wollten.“(4) Denn jeder, der überhaupt Rede und Antwort steht, muss immer schon diesen Satz anerkannt haben, will er auch nur verstanden werden. „Doch ein widerlegender Beweis für die Unmöglichkeit der Behauptung läßt sich führen, sobald der dagegen Streitende nur überhaupt redet; wo aber nicht, so wäre es ja lächerlich, gegen den reden zu wollen, der über nichts Rede steht, gerade insofern er nicht Rede steht; denn ein solcher ist als solcher einer Pflanze gleich.“ (4)

Der „widerlegende Beweis“ oder indirekte (apagogische) Beweis schließt von der Widerlegung des kontradiktorischen Gegenteils auf das zu Beweisende. Der direkte Beweis dagegen setzt im Schluss Prämissen voraus, die ja immer schon unter dem Satz des zu vermeidenden Widerspruchs stehen, also diesen nicht beweisen können; es wäre ein falscher Zirkelschluss.

Den „widerlegenden Beweis“ stellt Aristoteles so dar: „Der Ausgangspunkt bei allen derartigen Diskussionen ist nicht, daß man vom Gegner verlangt, er solle erklären, daß etwas sei oder nicht sei (denn dies würde man schon für ein Annahme des zu Beweisenden ansehen), sondern daß er im Reden etwas bezeichnet für sich wie für einen anderen; denn das ist ja notwendig, sofern er überhaupt etwas reden will. Wo nicht, so hätte ja ein solcher gar keine Rede, weder zu sich selbst noch zu einem anderen. Gibt jemand einmal dies zu, so läßt sich ihm auch die Wahrheit des Axioms erweisen; denn es ist dann schon etwas fest bestimmt. Die Grundlage zum Beweis aber gibt nicht der Beweisende, sonder der, welcher Rede steht; denn er steht Rede, obgleich er doch die Rede aufhebt. (Und ferner hat der, der dies zugab, zugleich zugegeben, daß etwas wahr sei ohne Beweis, so daß sich also nicht alles zugleich so und auch nicht so verhalten würde.)“ (4) Wenn das kontradiktorische Gegenteil des Satzes des zu vermeidenden Widerspruchs eine Aussage ist, die unverständlich ist, jemand aber doch verständlich redet, dann muss dieser Satz gelten. Denn von kontradiktorischen Gegensätzen ist immer einer wahr, widerlege ich also die eine Seite des kontradiktorischen Gegenteils, dann ist die andere Seite wahr. Jeder, der verständlich redet, hat den Satz immer schon als wahr unterstellt.

Mit dem apagogischen Beweis des Satzes vom zu vermeidenden Widerspruch gibt Aristoteles zugleich die wichtigste Beweisart in der Philosophie an. Denn eine grundlegende Wissenschaft wie die Philosophie kann keine Voraussetzungen aus anderen Wissenschaften oder dem Empirischen borgen, sondern muss die ihrigen aus der Kritik des Falschen gewinnen, die Richtigkeit der These wird durch den Nachweis der Unrichtigkeit ihres kontradiktorischen Gegenteils bewiesen.

Was für den Satz des zu vermeidenden Widerspruchs gilt, kann man auf die ganze Logik übertragen: Alles, was widersprüchlich ist oder gegen andere Gesetze der Logik verstößt, ist falsch. Was aber logisch stimmig, also widerspruchsfrei ist, das muss noch nicht wahr sein, denn es lässt sich eine widerspruchsfreie Theorie aufstellen, die aber die Sache nicht erfasst und nicht erklärt. Deshalb ist die Logik nur ein notwendiges, aber kein hinreichendes Wahrheitskriterium.  Alles, was der Sache nach unlogisch oder widersprüchlich ist, ist falsch; alles, was logisch und nicht widersprüchlich ist, kann wahr sein – muss es aber nicht sein. Die Logik gibt nur formale Wahrheitskriterien, und zur Wahrheit bedarf es noch der jeweiligen materialen Wahrheitskriterien, die allerdings so vielfältig wie die Gegenstände des Denkens und deshalb nicht allgemein formulierbar sind.

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Konsequenzen aus dem Satz vom zu vermeidenden Widerspruch

a) Gegenstandsbezogene Konsequenzen: die Sachhaltigkeit der Aussage

Der „oberste Grundsatz“ der Philosophie und des begrifflichen Denkens (Aristoteles) hat Implikate. Wenn einem Begriff nicht zugleich und in derselben Rücksicht kontradiktorische Merkmale zukommen können, dann setzt das auch bestimmte Anforderungen an eine sachliche Argumentation voraus. Damit nicht gegen ihn verstoßen wird, muss in einer Rede oder Argumentation

  1. überhaupt etwas behauptet werden; denn rede ich, ohne etwas zu behaupten, verstoße ich gegen den Widerspruchssatz – ich sage etwas und sage zugleich nichts.
  2. Ein Etwas muss als seiend bezeichnet werden. Denn ist der behauptete Gegenstand nicht seiend, dann hat die Rede keinen Gegenstand. Die einfache Frage, was ihr Gegenstand sei, überführt manches philosophische Räsonieren in gegenwärtigen Publikationen der Gegenstandslosigkeit.
  3. Weiter muss ein Etwas nicht nur überhaupt und als seiend behauptet werden, es muss auch als etwas Bestimmtes behauptet werden. Denn werden einem Subjekt keine bestimmten Prädikate beigelegt, kann sich jeder etwas anderes darunter vorstellen, also auch Kontradiktorisches, was sich widerspricht.
  4. Der Satz vom zu vermeidenden Widerspruch erzwingt schließlich die Unterscheidung zwischen Substanz und Akzidenz, Wesen und Erscheinung. Wenn alles nur akzidentell wäre, so gäbe es gar nichts Erstes, wovon etwas ausgesagt wird. Es liefe auf einen unendliche Progress hinaus, bei dem ein Akzidenz ein anderes bestimmte und so fort, ohne dass ein Gegenstand bezeichnet wird. Zum Beispiel wäre die Definition des Menschen durch die Akzidentien Ort und Zeit auch bei lückenloser Angabe nicht möglich, da Orts- und Zeitbestimmungen nichts aussagen, was sich da bewegt, welches Subjekt die Orte und Zeiten durchläuft. Auch die Kombination von Merkmalen, der logische Positivismus versucht dies, bestimmt keinen Gegenstand ausreichend, da kein Unterschied zu anderen möglichen Kombinationen angebbar ist. Eine Kombination von Merkmalen bestimmt nur dann das Wesen eines Gegenstandes, wenn es mit diesem Wesen zusammenfiele. Das Zusammenfallen setzt aber bereits die Kenntnis des Wesens voraus.

b) Formallogische Konsequenzen: die Einheit des Bewusstseins

Wenn einem Begriff nicht zugleich und in derselben Rücksicht kontradiktorische Merkmale zukommen können, dann setzt das weiter voraus, dass das Subjekt des Urteils mit sich selbst identisch ist, also den Satz der Identität: Alle Begriffe dürfen immer nur in einer Bedeutung vorkommen (keine Äquivokationen), A = A. Der ausgeschlossene kontradiktorische Gegensatz erzwingt wiederum die Regel des ausgeschlossenen Dritten (tertium non datur). Kontradiktorisch sind nur die Prädikate, zwischen denen es kein Drittes gibt, also A und Nicht-A (während es z. B. zwischen Konträren (Schwarz und Weiß) ein Drittes geben kann (z. B. Grau). Unterschiede und vor allem der Satz vom ausgeschlossenen Dritten setzen voraus, dass die gegensätzlichen (konträren) oder sich widersprechenden (kontradiktorischen) Bestimmungen in ein Bewusstsein fallen, das nur durch seine logische Einheit in der Lage ist, die Unterschiede und Widersprüche als solche zu erkennen. Wäre ein Bewusstsein nicht einheitlich, gäbe es keine Einheit des Bewusstseins, dann könnten alle Aussagen wahr sein, das Bewusstsein wäre „weniger als ein Traum“  (Kant: Kr.d.r.V., A 112), denn selbst im Traum denken wir noch einheitliche Gegenstände, so absurd sie auch wechseln.

Damit ich den Widerspruch ausschließen kann, muss ich ihn erkennen, also denken. Das Denken des Widerspruchs ist aber selbst nur als widersprüchliches Denken möglich und scheint dem Satz des zu vermeidenden Widerspruchs zu widersprechen. Das führt zur Dialektik.

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c) Philosophische Konsequenzen: Dialektik

Der Widerspruch lässt sich formal darstellen in dem Satz: A ist zugleich B und Nicht-B. Diesen Satz zu denken unter der Einheit des Bewusstseins heißt: Entweder diese Einheit zu zerstören, dann könnten wir keinen Widerspruch erkennen, alles wäre möglich, selbst das krasseste widersprüchliche Denken wäre (unbewusst) in unserem Bewusstsein; oder wir denken diesen Widerspruch unter der Einheit des Bewusstseins, dann müssen wir aber auch akzeptieren, das unser Denken notwendig Widersprüche eingehen muss. Denken wäre in Dialektik fundiert, denn Dialektik ist das rationale Denken von Widersprüchen. Da ich also Widersprüche denken muss, um sie auszuschließen, ist alles rationale Denken Dialektik.

So ist der Satz vom zu vermeidenden Widerspruch selbst widersprüchlich; gilt: A ist B und nicht zugleich Non-B, dann wird zugleich die Identität und Nichtidentität zwischen Subjekt (A) und Prädikat (B und nicht zugleich Non-B) behauptet. Andernfalls könnte man bloß A=A sagen, die reine Tautologie, aus der nichts folgt. Und selbst das A=A ist widersprüchlich, insofern das A eines sein soll, aber doch auch von sich als zweites A unterschieden wird.

Ein wissenschaftliches Urteil hat die Form: Alle A sind B. (Zum Beispiel: Massen sind mit der Eigenschaft der Anziehung behaftet.) Es ist ein nicht-tautologisches universales Urteil. In solchen Urteilen wird die Identität von Identität und Nichtidentität behauptet: „Alle A“ sind mit dem „B“ identisch (Identität) und zugleich sind „Alle A“ auch mit dem „B“ nicht identisch (Nichtidentität), insofern das „B“ etwas anderes aussagt als „A“. Das Urteil behauptet also die Identität „sind (gleich)“ von Identität und Nichtidentität – das aber ist ein Widerspruch. Jedes nicht-tautologische universale Urteil, das die Form wissenschaftlicher Urteile ist, hat diesen Widerspruch an sich. (5)

Die formale Widersprüchlichkeit des nichttautologischen universalen Urteils ist notwendig. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch die Sache widersprüchlich ist. Der Widerspruch der Form dieses Urteils erzwingt seine Beseitigung, denn das Bewusstsein als Einheit kann nicht bei diesem Widerspruch stehen bleiben. Nichtantagonistische Widersprüche kann man durch Teilung in Gegensätze oder Unterschiede lösen. Daraus folgt, dass eine Erkenntnis nicht bei einem isolierten Urteil stehen bleiben kann, sondern sich differenzieren muss – letztlich folgt daraus die Forderung, Wissenschaft als systematische Argumentation zu entwickeln. (6)

Erschlossene Widersprüche schließen die Widerspruchsfreiheit nicht aus, sondern dieser Satz des zu vermeidenden Widerspruchs ist allererst Voraussetzung, den Gegenstand so weit rational zu reflektieren, dass seine sachliche Widersprüchlichkeit bzw. die der Form seiner Darstellung das notwendige Resultat der Argumentation ist. Dialektik, als das Begreifen von Widersprüchen, ist demnach die einzige rationale philosophische Methode.

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Das Praxiskriterium der Wahrheit

Wenn die Logik nur ein negatives Wahrheitskriterium ist, dann muss sich die sachliche Wahrheit auf andere Weise begründen oder beweisen lassen. Gesetzt, eine Theorie ist in sich stimmig, d. h. ohne logische Widersprüche in der Sache, und durch die materialen Wahrheitskriterien ihres Gegenstandsbereiches begründet, dann muss sie sich in der menschlichen Praxis bewähren, um als wahr bestimmt werden zu können.

So lassen sich Naturgesetze durch nachprüfbare Experimente beweisen. Allgemein ist aber der Erfolg einer Erkenntnis im Experiment noch nicht ausreichend.

Erfolg ist nicht gleichzusetzen mit Praxis, sonst wäre etwa die faschistische Rassenideologie „wahr“, weil sie zum „Erfolg“ des Völkermordes geführt hat. Praxis ist ein Begriff, der auf Aristoteles zurückgeht, nach ihm ist Praxis das Handeln aus Freiheit in der Polis. Er unterschied Praxis von Poesis, der herstellenden Tätigkeit, die Aufgabe der Banausen (Handwerker) war. Diese Unterscheidung ist, seit sich die bürgerliche Welt durchgesetzt hat, nicht mehr akzeptabel. Wird Arbeit als Auseinandersetzung mit der Natur bestimmt, die Freiheit für die Menschen erzeugt, indem sie diese von ihrer Naturabhängigkeit tendenziell befreit, dann ist auch Poesis/Arbeit ein Teil der Praxis – auch wenn die durch Arbeit erzeugt Freiheit nicht allen gleichmäßig zugutekommt. (7) Entsprechend hat das bürgerliche Denken die Arbeit zu Recht aufgewertet.

Das Praxiskriterium fragt nach der Bedingung der Möglichkeit der Resultate der Theorie. Ist eine Theorie die Bedingung der Möglichkeit der heutigen Reproduktion der Gesellschaft, dann kann sie nicht als falsch angesehen werden.

Ein Beispiel: Wir leben heute in einer Industriegesellschaft. Ohne diese Industrie würde die heutige Gesellschaft nicht existieren. Bedingung der Möglichkeit der Industriegesellschaft ist die moderne Physik, die auf Galilei, Newton, Einstein usw. zurückgeht. Insoweit die Physik stimmig ist und zur Bedingung der Möglichkeit der Industrie geworden ist, muss sie als wahr gelten.

Ein anderes Beispiel: Die Ökonomie der heutigen Gesellschaften in den meisten Ländern der Welt ist durch das Kapital bestimmt. Die Gesetze des Kapitalismus sind (weitgehend) stimmig von Karl Marx in seiner Kapitalismusanalyse herausgearbeitet. Da diese von ihm theoretisch erfassten Gesetze Bedingung der Möglichkeit der kapitalistischen Ökonomie sind, muss seine Analyse wahr sein.

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Kritik des Skeptizismus

Ein genereller Skeptizismus, der jede Wahrheit leugnet oder als belanglos abtut, verfällt dem Satz vom zu vermeidenden Widerspruch – im Gegensatz zum methodischen Zweifel, der in jedem wissenschaftlichen Denken ein Mittel zur Wahrheitsfindung ist.

Wenn man als Skeptiker an allem zweifelt, also keine Wahrheit anerkennt, dann behauptet man im Widerspruch dazu dieses „an allem ist zu zweifeln“ als wahr. Nähme ich den Skeptizismus ernst, dann müsste ich konsequent schweigen oder – wie Hegel sagt: Ich könnte nur Om Om Om grunzen.

Nun kommt der reflektierte Skeptiker David Hume, der diese Argumentation zunächst akzeptiert, aber einen Gegenschluss aufmacht: 

Die Prämisse des Skeptizismus ist: Es gibt keine Wahrheiten.
Die Kritik an dieser Prämisse wird als wahr behauptet, was dieser Prämisse widerspricht.
Also ist auch diese Kritik der „Unwahrheit des Skeptizismus“ unwahr.

Hume schließt nun aus dieser Argumentation: Da sowohl die Rechtfertigung wie die Kritik des Skeptizismus wahr sein könnte, da wir eine zumindest teilweise gelungene Praxis haben, die auch durch Sprache bestimmt ist, hätten alle Aussagen nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit. (Eine moderne Variante dieser Argumentation vertrat Popper, der allen Theorien nur Wahrscheinlichkeit attestierte, sodass wir sie zwar evtl. falsifizieren, aber nicht verifizieren könnten.) Doch die Annahme, Thesen und Theorien wären alle nur wahrscheinlich, ist widersprüchlich und deshalb falsch. Wahrscheinlichkeit in Bezug auf Wahrheit und wissenschaftliche Forschung ergibt sich aus dem Verhältnis der Anzahl der untersuchten Fälle zur Anzahl der möglichen Fälle. Bei Naturgesetzen (oder auch ökonomischen Tendenzen) ist die Anzahl der untersuchbaren Fälle überwiegend begrenzt, die Anzahl der möglichen Fälle dagegen geht gegen Unendlich.

                           Anzahl d. untersucht. Fälle  begrenzt
Wahrscheinlichk.= - - - - - - - - - - - - - - - - - = - - - - - - -= 0
                            Anzahl d. möglichen Fälle          ∞

Das Verhältnis einer begrenzten Anzahl untersuchter Fälle zu einer unendlichen Anzahl möglicher Fälle ergibt die Wahrscheinlichkeit von null. Das heißt z. B., die Annahme, Naturgesetze seien bloß wahrscheinlich führt zu einer Wahrscheinlichkeit von null, also zu überhaupt keiner Wahrscheinlichkeit. Etwas als bloß wahrscheinlich ansehen, heißt es unwahrscheinlich setzten- oder als eine zufällige Möglichkeit, d. h. als etwas, was so oder auch anders sein kann. Mit dem Begriff der ‚Wahrscheinlichkeit’ kann man real gewisse Häufigkeiten von Phänomenen erkennen, aber nichts über das einzelne Phänomen, auf das es in der Praxis ankommt, aussagen. Ein Versicherungsvertreter z. B., der von der Wahrscheinlichkeit von Unfällen auf eisigen Gehwegen spricht, um eine Versicherung einem Kunden zu verkaufen, kann nicht begründen, dass es gerade diesen Kunden mit einem Unfall treffen wird. Letzteres wäre aber notwendig, um ihn nicht nur zu überreden, sondern zu überzeugen.

Naturgesetze müssen den Menschen in die Lage versetzen, auch den Einzelfall zu bestimmen (bei entsprechend erzeugten Randbedingungen z. B. in einer Fabrik), sonst wären sie für das Überleben in der Industriegesellschaft bedeutungslos (vgl. das Praxiskriterium der Wahrheit).

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Vernunft und Herrschaft

Vernunft ist nach Kant formal das Vermögen zu schließen und inhaltlich das Vermögen zu Ideen, d. h. zu nichtempirischen Begriffen. Die Vernunft liegt auch dem Verstand, als Vermögen zu empirischen Begriffen, und den anderen Vermögen zugrunde, weil sie z. B. als Logik Teil allen Denkens ist.

Wäre falsches Denken nur der Unfähigkeit Einzelner geschuldet, dann ließe sich dies durch einfache Schulung oder Aufklärung beseitigen. Tatsächlich leben wir aber in einer Klassengesellschaft: Es gibt eine kleine Klasse von Menschen, die über die große Mehrheit der Bevölkerung mittels der Eigentumsverhältnisse herrscht. Herrschaft wird verstanden als kostenlose Aneignung von fremder Arbeit, heute in Form des Kapitals über die Lohnarbeit.

Die Herrschenden haben ein Interesse daran, dass die Überflüssigkeit dieser Herrschaft zumindest nicht in das Massenbewusstsein dringt und Alternativen, also Herrschaftslosigkeit, als unmöglich angesehen werden. Sie können Ihre Ansichten und Ideen massenhaft verbreiten, weil sie die ökonomischen Mittel dazu haben, indem sie die Massenmedien beherrschen und über die Karrieren bestimmen, von denen die Kolporteure der Ideen abhängig sind.

Da diese Herrschaft jedoch überflüssig ist, weil nach dem Stand der Produktivkräfte technischer und kultureller Fortschritt auch ohne Herrschaft und Verdummung der Massen möglich ist, kann ein an Wahrheit und Vernunft orientiertes Bewusstsein nur herrschaftskritisch sein.

Antagonistische Verhältnisse sind auf dem Boden einer kapitalistischen Gesellschaft unlösbar widersprüchliche Verhältnisse. Sie sind mit einem an Widerspruchfreiheit, Einheit des Bewusstseins und Wahrheit orientierten Denken nicht vereinbar. Das Akzeptieren von solchen Widersprüchen muss die Einheit des sie denkenden Bewusstseins zerstören. Die denkenden Subjekte haben also nur die Alternative, ihr eigenes rationales Bewusstsein zu zerstören oder sich gegen die antagonistischen Verhältnisse zu wenden. Das rationale Denken, will es rational bleiben und nicht zur Ideologie oder gar zum Irrationalismus verkommen, kann also nur kritisch den antagonistischen Verhältnissen gegenüberstehen, d. h. auf ihre praktische Beseitigung drängen.
Das Denken jedoch, das an diesen Widersprüchen scheitert oder resigniert, tendiert zum Irrationalismus, dem kontradiktorischen Gegenteil zum rationalen Denken.

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Irrationalismus

Am weitesten in diese Richtung ging der hannoversche Philosoph und Psychoanalytiker Theodor Lessing, wenn er den Begriffen überhaupt Realitätsgehalt absprach. Nicht die falschen Begriffe machte er mitverantwortlich für die Barbarei des I. Weltkrieges, sondern das begriffliche Denken überhaupt. Ihm sind „die Vernunft eine Hure“, der Begriff „der sicherste Totschläger des Lebens“ und der menschliche Geist, der „Satan“, ein Vermögen der logificatio post festum (der Sinngebung im Nachhinein).(8) Diesen Irrationalismus, die Ablehnung des begrifflichen Denkens, kann Theodor Lessing aber nur ausdrücken, in eben diesen Begriffen – sonst könnte er sich gar nicht verständlich machen. Versprachlichter Irrationalismus ist also ein Widerspruch in sich selbst und deshalb falsches Denken. Begriffsloser Irrationalismus macht den Menschen wieder zum Tier, er ist Regression der Spezies.

Irrational in dieser strengen Bedeutung des Wortes sind auch alle Texte, die an sich unverständlich sind. Zwar kann es am Mangel an Bildung beim Leser liegen, dass er den Text nicht versteht, dies ist dann kein Argument gegen unverständliche Texte. Solche erkennt man aber an ihrer Widersprüchlichkeit (siehe oben) und an ihrer sachlichen Falschheit. Man sollte deshalb in einem zunächst unverständlichen Text die Passagen lesen, bei denen man selbst schon Sachkenntnis mitbringt. Meist erledigt sich dann das Lesen bereits von selbst. Bei philosophischen Texten setzt dies allerdings die Kenntnis der Tradition voraus (und nicht nur der modischen Richtungen der Gegenwart)!

Allen Religionsgemeinschaften und affirmativen Theologien liegt, nachdem alle Gottesbeweise bereits seit dem 14. Jahrhundert widerlegt waren, ein irrationales Moment zugrunde. Dieses irrationale Moment ist auch konstitutiv für Ideologien. Das Irrationale, das in der Theologie die Nichtexistenz eines Gottes verschleiern soll, legitimiert in der Ideologie die Herrschaft des Kapitals.

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Ideologie

Ideologie als „Ideenlehre“ ist ein schillernder Begriff in der heutigen Diskussion. Wir benutzen ihn in einer auf Marx zurückgehenden ganz präzisen Bedeutung. Ideologie ist notwendig falsches Bewusstsein, das der Herrschaftssicherung dient. Ideologie ist durchaus Bewusstsein, d. h. bewusstes Sein, sie ist nicht einfach Lüge, sondern geht von empirisch konstatierbaren Tatsachen aus - so z. B. von der Aggression, die unter Menschen beobachtbar ist.

Dieses Bewusstsein ist notwendig, insofern es sich als gesellschaftliches Phänomen dem Bewusstsein aufdrängt - so z. B. produziert die kapitalistische Konkurrenz Aggressionen, die sich als Kriminalität, beim Sport, im Krieg oder beim Kampf um die Karriere äußern müssen. Es ist aber nicht in erkenntnistheoretischer Bedeutung notwendig, d. h., die theoretische Analyse kann die Ideologie durchdringen und ihre sozialen und ökonomischen Gründe aufzeigen.

Das ideologische Bewusstsein ist aber immer auch falsches Bewusstsein, insofern das historisch sich Aufdrängende z. B. zum Ontologischen oder Anthropologischen verfälscht wird. So wird aus der beobachtbaren Aggression ein "Aggressionstrieb", der wissenschaftlich nicht begründbar ist. Durch den angeblichen "Aggressionstrieb" des Menschen wird historisch Entstandenes oder Modifiziertes zum Überhistorischen erklärt. Hinter dieser Hypostase steht das Interesse, die kapitalistische Gesellschaft als natürliche und einzig denkbare zu legitimieren, also die heutigen Herrschaftsverhältnisse mit ihrer Konkurrenz zu rechtfertigen.

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Die Verantwortung des Intellektuellen

Eine Gesellschaft benötigt, um zu überleben, ein avanciertes Bewusstsein über sich selbst. Gäbe es ein solches Bewusstsein nicht, dann wäre diese Gesellschaft völlig hilflos den Naturverhältnissen und den gesellschaftlichen Mechanismen, die sie beherrschen, ausgeliefert. Aufgabe der Intellektuellen in der Gesellschaft ist es, dieses Bewusstsein bereitzustellen und aufklärerisch in der Gesellschaft zu verbreiten.

Die Naturwissenschaftler als Naturwissenschaftler erfüllen diese Aufgabe im Großen und Ganzen – auch wenn ihre Ergebnisse teilweise von partikularen Interessen geleitet sind, etwa wenn sie für Konzerne Gutachten abliefern, die ihre Profitorientierung gesellschaftlich absichern sollen. Aber eine auf Produktivität angewiesene kapitalistische Gesellschaft, die in Konkurrenz mit anderen steht, muss das naturwissenschaftliche und technische Denken treibhausmäßig zu immer neuen Höhen züchten.

Bei den Geisteswissenschaftlern und bei den Naturwissenschaftlern, die über ihr Fach hinausgehen, dagegen herrscht eine allgemeine Konfusion, ein wilder Pluralismus, eine Korruption des Geistes, ein Sammelsurium von Ideologien bis hin zum Blödsinn. Hier ist der Tummelplatz von blockierten Professoren, die in ihrem Legitimationsdenken befangen sind, über den Nischenphilosophen, der immerhin sein exotisches Gebiet hütet, bis zum Scharlatan, der jeden Gedanken am Fortkommen in seiner Karriere misst. Wahrheit, soweit sie noch vorkommt, erscheint als eine mögliche Hypothese unter anderen.

Dagegen setzten wir mit der philosophischen Tradition den „Eid des Philosophen“, wie ihn sinngemäß Sokrates (nach Platon) vor seinen Richtern in Athen geschworen hat. Wie der Eid des Hippokrates für die Ärzte, so ist dieses Bekenntnis Maßstab für jemand, der den Namen „Philosoph“ oder Wissenschaftler beansprucht.

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Das Ethos des Philosophen und Wissenschaftlers

   Ich werde, solange ich atme und dazu imstande bin, niemals aufhören, zu philosophieren und auf euch einzureden und jedem von euch, den ich treffe, ins Bewusstsein zu reden.
   Ich werden dem Gotte (der Weisheit "Apollon", d. h. der Vernunft) mehr gehorchen als euch Mitbürgern.
   Ich werde jeden, ob reich oder arm, dazu auffordern, sich mehr um Vernunft und Wahrheit und eine gute Seele (d. h. eine widerspruchsfreie) zu kümmern als um Geld, Ansehen oder Ehre.
   Wenn nun einer behauptet, er kümmere sich bereits um eine gute Seele, dann werde ich ihn nicht gleich loslassen, sondern ihn fragen und prüfen und ausforschen. Und wenn sich herausstellt, dass er keine Tugend besitzt, obwohl er es behauptet, dann werde ich ihm den Kopf zurechtsetzen (kritisieren), weil er das Wertvollste am niedrigsten einschätzt und das Minderwertige höher.
   Ich bin überzeugt, dass euch in der Polis (Gesellschaft der freien Bürger) noch nie eine größere Wohltat zuteilgeworden ist als dieser mein Dienst an dem Gotte der Weisheit und euch.
   Ich werde mein Verhalten nicht ändern, selbst wenn ich noch so oft den Tod dafür erleiden müsste. (9)

Heute muss in Westeuropa kein kritischer Theoretiker den Tod wegen seiner Erkenntnisse fürchten, allerdings Einbußen an der Karriere bis hin zur Vernichtung der ökonomischen Existenz kommen durchaus vor. Diesem für Intellektuelle selbstverständlichen Ethos zu folgen, erfordert also eine moralische Anstrengung. Wer diese nicht auf sich nehmen kann oder will, der sollte lieber in der Öffentlichkeit schweigen.

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Anmerkungen und Literaturhinweise

(1) Dieser Aufsatz basiert auf den Artikel: „Erinnerung an die Vernunft. Zur rationalen Begründung moralischer Prinzipien“, in: Erinnyen Nr. 2, Garbsen 1886, S. 47 ff. Dieser Artikel wurde wiederum inspiriert durch eine Vorlesung von Peter Bulthaup, die er im WS 1985/86 in Hannover gehalten hat.
docta ingnorantia“ bedeutet „belehrte Unwissenheit“, obwohl man schon vieles in der Welt erkennen kann, weigert sich ein bestimmtes wissenschaftliches Bewusstsein, dies zu tun, und verharrt lieber in Ideologien.
(2) Stegmüller: Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Stuttgart 1978, Bd. 1, S. XLI ff.
(3) Die Vorsokratiker, Griechisch/Deutsch, Auswahl der Fragmente, Übersetzung und Erläuterungen von Jaap Mansfeld, Stuttgart 1987, S. 317.
(4) Aristoteles: Metaphysik. In der Übersetzung von Hermann Bonitz. Neu bearbeitet und herausgegeben von H. Seidl, Hamburg 1978, 1005 b ff.
(5) Vgl. ausführlicher: Peter Bulthaup: Idealistische und materialistische Dialektik, in: Das Gesetz der Befreiung. Und andere Texte, Lüneburg 1998, S. 129 ff.
(6) Vgl. B. Gaßmann: Logik, Garbsen 1994, S. 252 ff.
(7) Vgl. Gaßmann: Ökonomie, Garbsen 1993, S. 48.
(8) Lessing, Theodor: Kultur, München 1981, S. 36 f.
(9) Platon: Apologie, Stuttgart 1977, S. 35 ff.

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Letzte Aktualisierung:  16.04.2008

                                                                              
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